Geschichten und Gedanken Teil 32

Reverse Angle-Standpunkte zum jüngsten Finale



Blenden wir, bevor der Zoom auf das heurige Finale eingestellt wird, geschätzte fünf bis sechs Jahre zurück: im Nachspann zu irgendeiner offiziellen internen Meisterschaft in Buchkirchen betraten zwei hoffnungsvolle Nachwuchstalente den Center Court, um sich am Kleinfeld ein allseits bestauntes hochklassiges Match zu liefern.

Im Jahre 2011 sind die beiden Athleten diesen Kleinstkompetenzen endgültig entwachsen, zu Leistungsträgern in der Ersten geworden und bestreiten das im doppelten Sinne des Wortes jüngste Finale um die Meisterschaftskrone. Der Autor nimmt am Zweier Platz, dreht sich Bank und Sonnenschirm zurecht und beobachtet das Einschlagen.

Während dieser Matchvorbereitung nimmt er wahr, dass sich lediglich ein Dutzend Tennisfans auf der Terrasse eingefunden haben. Wohin die Zeiten, als jeder pünktlich zum Finalbeginn gestellt war, über das Spielgeschehen und den Stand zu jeder Zeit präzise Bescheid wusste und man eine Stecknadel auf der Tribüne fallen hören konnte. O TEMPORA, O MORES!

Als philosophische Gegenposition zu diesen Erscheinungen hat es sich der Syndicus seit einigen Jahren zur Tradition gemacht, einen eigenen Gefechtsstand mit umgedrehtem Blickwinkel aufzubauen und von diesem aus mit vollster Konzentration bedeutende Finals einzufangen. Ablenkungen durch Akteure, die sich vornehmlich auf den Eventcharakter fokussieren sowie lautstarke Zwischenlacher (Krawallstamperl und Konsorten)  entfallen weitestgehend, noch dazu, wenn man so wie heuer erstmalig die Zähltafel bedient und somit zwangsläufig „bei der Sache“ bleiben muss.

Es war dies das Finale des allseits bekannten Vorjahressieger Flo Brunner gegen Markus Sikora, den ich wenige Tage vor dem Finale um eine kurze Stellungnahme bitten musste, um abgesehen von seinen sichtlichen Sportbegabungen über etwas persönliches Material für diese Betrachtung zusammen zu bekommen. Er sei baldiger Sechstklässler im Brucknergym und habe mit etwa acht Jahren das Tennisspielen begonnen, so die besonnen-knappen Antworten meines leichten Favoriten für das Endspiel.
Während der letzten Matchvorbereitung ist endgültig auch der B-Bewerb in junger Hand, als sich Fabian Scheid gegen seinen Vater in zwei Sätzen durchzusetzen vermochte.

Mit heftigen Schlagabtäuschen beginnt das Finale, vom ansonsten üblichen Abtasten keine Spur. Markus S. stellt mit guter Übersicht und giftigen Winkeln durch Break auf 2/1, er scheint tatsächlich das etwas höher veranlagte Spiel zu haben, während Flo B. mehr variiert, die spektakuläreren Punkte macht, aber auch die höhere Fehlerquote sein eigen nennt.

Als vorbildlich gilt das Verhalten beider auf dem Platz: die Konzentration wird allenfalls durch kurzes Räsonieren unterbrochen, welches gleich wieder in motivierende Selbstgespräche übergeht. Knappe Bälle werden überaus kurz und fair diskutiert und bieten nicht den Anlass zu Lug und Trug.

Markus S. findet in weiterer Folge Breakbälle zum 5/2 vor, nach entschlossenem Angriffsspiel kann Flo B. noch einmal verkürzen. Nach engem Aufschlagspiel und weiterem Break stellt Markus S. auf 6/3.
Gleich zu Beginn des zweiten Sets sucht Flo durch entschlossenes Angriffsspiel die Entscheidung im dritten Satz zu erzwingen, er geht durch Break 1/0 in Führung.

Markus lässt sich durch die vorgetragenen Varianten nicht beirren, schafft das sofortige Re-Break, stellt zunächst auf 3/1, dann fast ohne Gegenwehr des Opponenten auf 4/1 und in weiterer Folge auf 5/1, was Flo zum ersten und einzigen Wutausbruch durch Schlägerschmeissen bemüßigt.

Mit großem Gefühlskino kann der junge Brunner noch einmal auf 3/5 verkürzen, dann ist Schluss: Sikora serviert mit Federer-artigen Bewegungsmustern zu 15 aus.

Gratulation dem Sieger sowie Dank seinem Vater für die Ansprache, die uns insofern zu Ehren gereicht, als er durch abermalige Laudatio dem Verein Rosen streute!

Viel Glück der ersten Garnitur, welche in der kommenden Saison durch die eben ersonnene „4+4“-Lösung und unterstützt durch die Feuerkraft der beiden Finalgegner ungeahnte Höhen erklimmen möge!