Geschichten und Gedanken Teil 30

Blisters on the Finger-vom langen und sandigen Weg zurück zur Form

Im Fokus der neuerlichen Betrachtung soll, wie durch den anglophilen Titel schon angeklungen, diesmal eine Beschreibung der Phänomene stehen, die sich vollziehen, wenn sich die kampferprobten Haudegen unserer löblichen Sektion entschließen, das ebene und schnelle Finklhammer Vlies zu verlassen und sich nach erfolgter Auswinterung der Plätze auf der sagenumwobenen Roten Asche wiederum tummeln, auf der Suche nach Anschluss zur spielerischen Verfassung aus dem Vorjahr, bestärkt durch den Willen, alte Fehler und Ungenauigkeiten auszumerzen und sprichwörtlich im Sande zu vergraben sowie im unbedingten Bestreben, die verbesserte Performance sofort in zählbare Ergebnisse im Rahmen der Mannschaftsmeisterschaft umzumünzen.
Ist im Titel vom Begriff der Form die Rede, so ist damit klarerweise auch die Literarische Form im Sinne der Grundgattungen der in Schriftform gepressten Gedanken gemeint. Dies schon alleine deshalb, weil der Autor bekanntermaßen ein besonderer Freund doppelsinniger Anspielungen ist und es ihm so wie manch anderem, in der Bedeutung natürlich weitaus höher einzuschätzenden Schreiberling, wie zum Beispiel dem Deutschen Burkhard Spinnen ergeht, der nach erfolgreichen Werken sich auf ein Neues aufrafft, ein gelungenes Produkt zu liefern und vor lauter Eindreschen auf die Typen, das sich möglicherweise aus einiger Entfernung wie Maschinengewehrfeuer anhört, zunächst keine positive Rezeption, sondern lediglich Blasen auf den Fingerkuppen erntet.
 
Doch nun fort von diesen weitschweifigen Gedanken zur Begründung der Wahl des Titels, hinein in media res. Was macht das erste Monat auf dem Tennisplatz zu etwas Besonderem?
 
Es ist dies zunächst einmal die Suche der Sonnenhungrigen nach den Sendboten des Zentralgestirnes. Ausgefroren durch den langen Winter ersteht in dieser Saisonphase so nach und nach das (Vereins-)leben neu. Ich möchte hier pauschal auf G+G Teil 1 verweisen.
 
Entschließt sich der zugegeben eher passive Sonnenanbeter jedoch, die Terrasse zu verlassen und mit einem Schläger bewaffnet sich dem Rückschlagspiel hinzugeben, wird er alsbald feststellen, dass sich dieses Unterfangen gar nicht so einfach gestaltet und verglichen mit den Bedingungen in der Halle mit etlichen Hürden versehen ist.
 
Da gilt es zunächst die Strahlen des sonst so beliebten glühenden Wasserstoffballes so gut es geht auszublenden. Zur Kontrolle dieser These schlage man bitte um 13h fußballplatzseitig auf und treibe das Geschoss dem VZ zu. Man wird sich ehest möglich Wolken herbeisehnen wenn man „mitten ins Klavier“ blicken muss.
 
Zudem gibt es beim Ballwurf keinen aus der Halle bekannten Bezugspunkt. Die Luft hat keine Balken, so das allseits bekannte Theorem dazu.
 
Als dritte Hürde erweist sich der sich permanent verspringende Ball: obwohl durch die höhere Reibung auf Sand stärker abgebremst und somit der Reaktion grundsätzlich förderlich, scheinen sich in der Kugel sonstige negative Flugeigenschaften geradezu zu summieren: mitgegebener Drall, dreinfahrender Wind und durch ein Übermaß an Sand entstandene Unebenheiten begünstigen das einer Flipperkugel nicht unähnliche Sprungverhalten des eintreffenden Gelblings.
 
Unter den oben genanten Prämissen ist es Jahr für Jahr verwunderlich, dass doch die Mehrzahl der am Meisterschaftsbetrieb teilnehmenden Protagonisten bis zur ersten Runde eine zumindest annehmbar erscheinende Verfassung wiedererlangt und, die nervlich bedingte Zitterei einmal ausgeblendet, tadellos die Bälle ins gegnerische Feld kübelt.
 
Ist man so wie der Autor bereits mehrere Jahrzehnte durch das Stahlbad des Wettspieles gegangen und zumindest einigermaßen motiviert, den Gegnern aus umliegenden Gemeinden, Märkten und Städten durch hartnäckige Anwendung seiner Kampfesstärke den sportlichen Garaus zu machen, so genügen einige wenige Matches zur Wiedereingliederung in die Startformation und die Pflicht zur Reise an die kroatische Küste entfällt. Drei nervige Doppel, ein langes Match gegen Michael Sch., und schon bin ich bereit für sportliche Konfrontationen, zumal die Hauptwaffe, das zeppelingleiche Steigenlassen der Bälle, recht einfach und in beliebiger Frequenz reproduzierbar ist.
 
Jedes Jahr wieder auftretend, unnötig wie ein Kropf oder ein aus dem Mittelmeerraum eingeschleppter Infekt und eine länger dauernde Unterbrechung der Vorbereitung mit sich bringend, ist dabei das scheinbar unausweichliche Aufflammen von Blasen an den Palmarseiten diverser Finger der rechten Hand. Eine weitere Prädilektionsstelle ist die den Übergang zur Handkante markierende, den fünften Mittelhandknochen überziehende Hautareal der Handfläche.
 
Diagnose: Dekubitalgeschwür Grad 2, Teilverlust der Haut; Epidermis bis hin zu Anteilen des Koriums sind geschädigt. Der Druckschaden ist oberflächlich und kann sich klinisch als Blase, Hautabschürfung oder flaches Geschwür darstellen.
 
Therapie: Winterliches Holzhacken, anschließendes Einlegen der gefährdeten Hand in Pantothen-Salbe.
 
Den Ausflug ins Reich der Medizin beende ich mit einer kurzen Zusammenfassung der ersten Runde, ausführlichere Abhandlungen wird man natürlich nach Abschluss aller Begegnungen von mir erwarten können.
 
Die zweite Mannschaft, von Ausfällen in den eigenen Reihen stark in ihrer Kampfkraft beeinträchtigt, trat gegen den Aufsteiger aus Hinzenbach an. In Anbetracht der Dezimierung des Kaders , welche die Einberufung der Nummer 28 erforderlich machte, erscheint das 4-5, gleichwohl mit nicht unerheblicher Siegchance, im Nachhinein wie ein achtbarer Erfolg. Was dies für die Endabrechnung bedeutet, darüber wissen nicht einmal die Auguren Bescheid.
 
Das A-Team, hochmotiviert wie eh und je und an einigen Positionen deutlich verjüngt, fuhr gleich zum Auftakt einen 9-0- Auswärtssieg in Gaspoltshofen ein. Ein Paukenschlag, der aber nicht zu Übermut, sondern zu höchster Vorsicht und bestechendem Kampfesmut ermuntern sollte.
 
Abschließen möchte ich mit einem dazu passenden Wort aus dem Buch der Bücher, aus dem die Kraft einer neugefundenen Schärfe überdeutlich hervorquillt:
 
Siehe, ich habe dich zu einem scharfen, neuen Dreschschlitten gemacht, mit Doppelschneiden versehen: du wirst Berge dreschen und zermalmen, und Hügel der Spreu gleich machen; du wirst sie worfeln, dass der Wind sie entführt und der Sturm sie zerstreut. (Jesaja, Kapitel 41, Vers 15 und 16).