Geschichten und Gedanken Teil 28

Die Wintersaison - man sieht sich nur sporadisch
 
Wenn ich jetzt zur Entwicklung neuer Gedanken schreite, so geschieht dies nicht aus dem sonst vorherrschenden Antrieb heraus, besondere einmalige Begebenheiten rund um unseren Tennisverein in Worte zu kleiden.
 
Ziel soll es auch nicht sein, diese Jahreszeit besonders zu rühmen, denn zu niedrig sind die Temperaturen, rutschig die Straßen, nebelig die Ausblicke und schnell die Hallenbeläge.
Nein, alleinige Triebfeder dieser Abhandlung ist es, zu Beginn der rigoros ereignislosen Zeit selbige zu beschreiben und somit so gut es geht zu vertreiben, also ein wohlkultivierter -zumal philosophisch durchsetzter- Dilettantismus wenn man so will. Gleichzeitig möge sich dieses Gedankengewirr als mögliche Gegenposition zum Leitsatz des hierorts immer mehr an Boden gewinnenden Theorems verstehen, wonach im Mai der Sommer schon wieder vorbei sei. Dieses vorwinterliche Pamphlet soll im Sinne des Raffinierten Falsifikationismus die vorher erwähnte Aussage relativieren und somit abmildern.
Zur Abrundung dieses Gedankenexperiments wird schließlich herausgearbeitet, warum sich in dieser Wintersaison neue Gedankenströmungen etablierten, um diese als würdige Vorbereitung für sommerliche Höhenflüge zu deklarieren.
 
Zunächst also zur Beschreibung des Phänomens „Wintersaison“. Was macht diesen unsäglichen Abschnitt aus und welche Entwicklungsschritte desselben sind in der Seelenlandschaft spürbar?
 
Es ist nun keinesfalls so, dass bereits im Mai für die Tennisgemeinde diese Etappe unmittelbar hereinbräche. Im Mai, sofern nicht vom Regen wochenlang verhöhnt, regt sich im Gegenteil buntestes Leben auf den eben erst ausgewinterten Plätzen, die Entscheidung in den Mannschafts- und internen Meisterschaften steht noch lange aus.
 
Jedoch sobald die Sonne in das Tierkreiszeichen des Löwen eintritt, wirft der drohende Herbst erste Warnzeichen auf die lauschigen Haine: die Tage werden bald merklich kürzer und begrenzen jäh die mögliche Verweildauer unter freiem Himmel. Etwa sobald der letzte Matchball der internen Meisterschaft seinen Abdruck in der roten Asche hinterlassen hat, durchziehen erste, vorerst noch leichte Nebelschleier den eben noch sonnendurchfluteten Äther.
 
Dieser Befund erinnert mich immer an die Deutung des Yin und Yang-Zeichen durch unseren exzentrischen Religions- und Philosophieprofessor Dr. Peter Öfferlbauer: betrachtet man das Zeichen, so fällt auf, dass jeweils an den erhabensten Stellen der gegenläufigen Prinzipien das jeweils andere Element unübersehbar integriert ist. Nicht nur das: kaum hat ein Element das Maximum seiner Ausdehnung erreicht, verjüngt es sich sehr schnell, um dem anderen zu weichen.
 
Um die Zeit des ausbrennenden Hochsommers herum beginnt sich diesem Postulat gemäß der Tennisplatz der auf ihm herumtrampelnden Protagonisten nach und nach zu entledigen. Finden sich ebensolche doch nach der Arbeit noch zusammen, um ein nerviges Match auszufechten, so gewinnt am Ende meist der, dessen Sehpurpur die meisten Photonen aus den Straßenlaternen und den Bogenlampen des Fußballplatzes aufsaugen kann und das beste akustische Ortungssystem entwickelt hat. Mit anderen Worten: man spielt bald nur noch nach Klang und Gehör.
 
Um diesen unbefriedigenden Zustand zu umgehen, pilgert der harte Kern der Tennisgemeinde seit eh und je etwa ab Mitte September ins nahegelegene Finklham, um bei kaltem Deckenlicht die Form über den kalten Winter zu retten und im breitensporttauglichen Dienstagsabo oder aus dem erlesenen Kreis der Freitagsspieler allfällige Winterkönige zu krönen. Zusehends bilden auch Sonntagnachmittage einen fixen Bestandteil dieser etablierten Praxis.
 
In der Zeit des beginnenden Schuljahres fristen die Außenplätze bereits ein Schattendasein im besten Sinne des Wortes. Schon bald ist man auf wärmende Sonnenstrahlen angewiesen und pilgert auf den sonst vielfach verschmähten Platz 3.
 
Sobald die letzten Boten unseres Zentralgestirnes sich hoffnungslos in den Wolkenschichten oder dem vorerst noch engmaschigen Laubdickicht der den Hundshamerbach umsäumenden Bäume verfangen, ist es Zeit, die Plätze in ihr Winterkleid zu hüllen. In den ersten Jahren fanden Plastikfolien Verwendung, um Frostschäden der Plätze hintan zu halten, nach neueren Erkenntnissen wird diese moosfördernde Variante ausgespart und der herbstlich-abgenutzte Platz gar auf den Linien mit frischgeliefertem Sand versorgt.
 
Nach getaner Arbeit und überstandenem Saisonabschluss setzt sich zumeist das Gefühl durch, doch einmal ganz froh und stolz auf die Beendigung der abgelaufenen Saison zurückblicken zu können. Dieses Gefühl herrscht zumindest in meiner Empfindungswelt einige Monate vor.
 
In dieser ersten Phase gilt es, in der Halle vorsichtig Schritt zu fassen. Erste sonntägliche Nachmittagsdoppel sind willkommene Abwechslungen zum nicht enden wollenden Grau. Überhaupt sind mir die etwa monatlich ausgetragenen Matches so kostbar wie „Die Wintersunn, die nur an manchen Tagen scheint“ und sie kündigen sich meist schon durch mehrtägige Vorfreude an. Wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten
 
Überhaupt sind in der kalten Jahreszeit sportlich-gesellschaftliche Highlights nur ganz dünn gesät. Dies bringt mich jetzt zur Begründung der Wahl des Titels: von den eben genannten Matches, deren Frequenz jeder nach seiner Denkungsart natürlich ganz individuell bestimmt, einmal abgesehen, bringen einen fast nur die Neujahrswanderung, allfällige Einkleidungen und Sitzungen durch den Winter. Der sonst so busper kommunizierende Kern der Tennisgemeinde sieht sich nur noch sporadisch.
 
Sendet im tiefsten Winter ein bekannter Sportsender sodann anspornende Bilder aus dem fernen Melbourne, erwacht –zumindest in mir- die unmittelbare Sehnsucht nach der Rückkehr auf die Freiplätze, welche naturgemäß weitere drei Monate auf sich warten lässt. Zumindest lässt nach überstandener Hornung der März mit längeren, milderen Tagen erste berechtigte Hoffnungen keimen.
 
Im Sinne der gedanklichen Position der Deskriptiven Unerschöpflichkeit eines Phänomens breche ich an dieser Stelle mit der Beschreibung der winterlichen Affekte ab und widme mich nun dem zweiten Teil der Arbeit, in welchem dargestellt werden soll, inwieweit Teile der Spielerschaft von der winterlichen Beliebigkeit und Sporadizität dieses Jahr abweichen wollen.
 
Unverkennbar sind die Ambitionen des A-Teams. Dieses gedenkt über kurz oder lang in weitaus höhere Regionen der Tabellenkaskade vorzudringen, beruhend auf der Erfahrung bekannter Leistungsträger, durchsetzt mit der explosiven Spritzigkeit junger Talente.
 
Um dieses Vorhaben zu verwirklichen, entschloss sich die Führung zu einer organisatorischen Straffung der winterlichen Tennisaktivität: ein Trainer möge in regelmäßigen Sessionen aus den oben genannten Spielergruppen eine homogene Mannschaft formen und die Volleyzitterei in Stärke wandeln.
 
Zur Erprobung der neugefundenen oder zumindest gefestigten Regionalligareife soll der Wintercup dienen, in dem nicht der zweite Anzug glänzen, sondern konsequent mit allen Kapazundern aufgefahren werden soll, quasi eine Visitenkarte für beabsichtigte künftige Großtaten.
 
Zu diesem Vorhaben die besten Wünsche von meiner Seite. Möge für die Mitglieder der Sektion die Winterzeit –in welcher Tennisintensität auch immer- ein gut überbrückbarer und möglichst behaglicher Abschnitt sein!