Geschichten und Gedanken Teil 21-Sperrstund is


 
Seit einigen Jahren hat es bei mir gute Tradition, während und nach Verblassen der Tennissaison den Tischtenniskeller bei Albinovic im Schnitt einmal in der Woche aufzusuchen, um in diesem die Reaktion über den Winter aufzubessern.
Dabei etablierte sich über die Jahre zur akustischen Umrahmung eine Art von Keller-Soundtrack, der von antiken Vinyl-Krachern (Beatles, Doors, Stones um nur einige zu nennen) angefangen über Helden des Rock auf CD bis hin zu österreichischen (wollen wir sie mal so bezeichnen ohne sie zu diskreditieren) Austropoppern eine breite Mischung bietet.
Besondere Gustostückerl und eigentliche Kernelemente dieser Kompilation sind die meist erst ab Ende Oktober in Nebel, Regen und Sturm abgerufenen und von da an bis zur Schneeschmelze und fastenzeitlichen Alkoholabstinenz Anfang März in heavy rotation rennenden Stücke und LPs folgender Interpreten, insbesondere:
Georg Danzer: Weisse Pferde, Vorstadtcasanova, I bin a Kniera, Hupf in Gatsch, So a Dodl mit da Rodl, Jö schau
Wolfgang Ambros: Hoffnungslos(LP), Du bist wia de Wintersunn, I spia I verlier, A Gulasch und a Seidl Bier, Der Baum, A Meinung, Weiß wie Schnee, Wolfgang Ambros singt Hans Moser (2 LP),I drah zua, Hoit do is a Spoit, Tagwache, Der Sinn des Lebens, Baba und foi ned, Du schwarzer Afghane, Heit drah I mi ham
Wilfried: Ikarus
Ludwig Hirsch: Kumm großer schwarzer Vogel, Sternderl schaun, Der blade Bua
Arik Brauer: Köpferl in Saund, Se haum a Haus baut
Duo „De Zwa“: Du narrischa Kastanienbam
Innerhalb dieser tief ins Gemüt gehenden und somit die Winterdepression eher fördernden denn heilenden Selektion kann ein von Wolferl Ambros interpretiertes und aus der Feder von Hans Moser stammendes Lied aufgefunden werden, das zu den Ereignissen der jetzigen Tage passt (Einwintern des Platzes, Übergang in eine dem Winterschlaf nicht unähnliche Ruhephase, Kontaktverlust mit vielen Mitstreitern im Verein,...) mit dem markanten Titel „Sperrstund is“.
Wenngleich Moser dem allgemeinen Verbraucher eher als raunzender und dem Weinkonsum frönender Volksschauspieler vergangener Tage ein Begriff ist, möchte ich doch an dieser Stelle für seine Reputation kämpfen, eine Lanze brechen und ein Vierterl Rot auf ihn erheben. Moser gelingt mit diesem anrührenden Stück nicht nur eine Beschreibung der Stimmung in einem abendlichen Kaffeehaus, sondern insbesondere eine Hommage ans Leben insgesamt. Die von Ambros präsentierte Fassung bietet vielleicht nicht mehr die ursprüngliche Authentizität, dennoch ist der Führerscheinverlierer aus dem Wienerwald meiner Meinung nach zur Zeit der einzige, der die Stimmung dieses Liedes würdig herüberbringen kann. Lest, genießt und freut Euch schon auf die nächste Freiluftsaison, denn schließlich macht der Tennisplatz wie jedes Lokal amoi a bissal zu. Eben nur a bissal...
 
Sperrstund is
Langsam wird es dunkel im Kaffeehaus.
Leere Sessel stehen umanond.
Man merkt deutlich das Geschäft is eh aus
und das Abendblatt wird ausgespannt


Der Herr Ober, der seit Jahren hier ist,
macht jetzt Kassa.
Müde is sein Schritt,
und wenn wie so oft ein Stammgast Stier is,
gibt er ihm voll Diskretion Kredit.
 
Sperrstund is,
jo irgendeinmal, macht jedes Lokal
a bissal zu.
Sperrstund is,
man räumt langsam ab,
ahh i freu mi, hob a bissal Ruh.

Mach Sold, bitte schön, ge bekömms
Na na na, heit is scho spät wos?
Ja, so spät Herr, hehe,
die Zeit vergeht Herr,
schließlich muss ein Ober
auch amoi schlofn gehn.
Dankeschön.

Sperrstund is, jo irgendeinmal,
macht jedes Lokal ein bissal zu,
manch im Dienst ergrauten Pensionisten,
hab als Gymnasiast ich bedient.
Pärchen, die sich in den Ecken küssten,
wussten, dass sie hier geborgen sind.

Viele Menschen sind an mir vorüber,
und sie kommen, gehen, ohne Zahl.
Doch nun heißt es sicher bald:
„Mein Lieber, nimm jetzt Abschied,
ein für allemal.“

Sperrstund is,
jo irgendeinmal, macht jedes Lokal,
a bissal zu.
Sperrstund is,
man räumt langsam ab,
so langs no geht,
bitte i brauchat jo nur a bissal Ruh.

Oba es is scho spät Herr,
die Zeit vergeht Herr,
und schließlich muss ein Ober
auch amoi schlofn gehen.
Nojo, bitteschön.

Sperrstund is,
jo irgendeinmal macht jedes Lokal
ein bissal zu.