Geschichten und Gedanken Teil 19- 3 Jahrzehnte Tennis- eine Ex-post-Betrachtung zur Feier
 


Nun denn, die Feier ist vorbei und man geht schön kleinweise wieder zum Alltagsgeschäft über. An Tagen wie diesen lohnt es sich dennoch, vor allem wenn man noch ganz im Banne der eben erst vergangenen Ereignisse steht (von einem klitzekleinen Kater ganz zu schweigen), Rückschau zu halten auf erfreuliche Festivitäten.

Schon bald nach dem Mittagessen begab ich mich mit einer weißen Diensthose, einem Thomas Muster- Shirt aus 1996 und weißen Adidas-Tretern bekleidet, auf die Anlage, um den Meisterschaftsentscheidungen vom Beginn an beizuwohnen. Dabei war zu bemerken, dass sich zunächst wohl die erwarteten Favoriten in ihren Matches durchzusetzen wussten, der Aulator war hier mit seinem Sieg gegen Otto eine überraschende Ausnahme. Wohl nahmen bereits die ersten Besucher das Fest-Motto sehr ernst, weiß in weiß wohin man blickte, was das Auge freute, tat im gleißenden Sonnenlicht aber doch weh und führte zu ähnlichen Symptomen wie die gefürchtete Schneeblindheit. Dennoch ein erfreulicher, von einzelnen Farbtupfern verschiedentlich durchsetzter Anblick!

Die Dramaturgie des Nachmittages steuerte unbeirrbar dem sportlichen Highlight zu, dem Herrenfinale, in dem sich der Champ von 2007, Christoph Sperer, und der Vorjahressieger, Thomas Ilg gegenüberstanden. Es war dies ein von den Emotionen her sprichwörtlich heißes Finale, die Konstellation alleine, wenn der Captain der Einser gegen einen Neu-Hörschinger spielt, verrät einiges vom potentiellen Zündstoff, der in dieser Partie lag. Noch dazu sind beide Akteure erklärte Anhänger des forcierten Angriffs-Tennis, was der eine mit fein ziseliertem Volleyspiel umzusetzen vermag, weiß der andere mit hochkalorischen Angriffsschlägen, vor allem von der Vorhand, zu kompensieren.

Im ersten Set konnte Christoph mit seinem souverän vorgetragenen Netz-Approaches klar dominieren und auf 6:1 stellen. Im zweiten Satz kam diese einst so klaglos funktionierende Maschinerie ins Stocken, Thomas wuchtete die Kugel in seiner unnachahmlichen Art immer öfter von Positionen innerhalb der Grundlinie ins erhoffte Ziel. 6:2 das Endresultat, der dritte musste die Entscheidung bringen.

In diesem alles entscheidenden Satz schien ebenfalls zunächst alles für Tom zu laufen, einzelne Teilerfolge des Kontrahenten, begleitet einmal sogar mit dem Hochgesang „Für Buchkirchen!“ leiteten aber peu a peu die Wende ein, sodass sich am Ende Christoph als 6:4-Sieger das Leiberl vom Körper reißen konnte. Gratulation an den Champ und überhaupt beiden Akteuren für ein Finale, das eine Demonstration zweier Varianten von Angriffs-Tennis darstellte.

Während dieses Finales war ich mehrmals auf einem Standpunkt in der Nähe der Seidl-Bar, wo die Freundin Christophs, sein Bruder Harry, dessen Freundin, der Schwager und die Eltern der Dinge harrten. Dies brachte in mir Erinnerungen an die einstige „Becker-Box“ zum Vorschein, besetzt mit seinem einstigen Trainer Günter Bresnik, Barbara Becker nebst Noah-Gabriel, und den Eltern. Ion Tiriac fehlt noch. Dies aber nur so nebenbei.

Kaum erholt von den Hochgeschwindigkeits-Rallyes, stand die nächste Aufgabe auf der zum Bersten vollen Haupttribüne an: die Rede zur Lage der Sektion dreißig Jahre nach Gründung, im Anschluss an die Siegerehrung durch Christian Hödl. Die beiden Hauptredner, nun gut nervös wäre der falsche Ausdruck, aber doch in angenehmer Weise sympathoton, dem Fight-and-Flight-Syndrome folgend, erregt und agitiert, entschlossen sich zum Griff zur Schnapsflasche, getreu dem Motto „Gläser gibt´s keine“ und der desinfizierenden Wirkung des Inhaltsstoffes wurde unmittelbar aus dieser gebindert, um die Stimme noch etwas zu ölen.

Zunächst als bloßer Handlanger für meinen Chef fungierend, wurde mir nach etwa einer Viertelstunde das Wort erteilt. Nach dem Leitsatz „Ich kann nicht anders!“ ließ ich eine vor etwa zwei Wochen vorbereitete Ansprache vom Stapel, formuliert in gestochenem Hochdeutsch und die letzten dreißig Jahren im Succus zusammenfassend. Der aufbrandende Applaus lies in mir den inniglichen Wunsch entstehen, die rechte Hand wie willenlos zu ballen und in die Luft zu recken, wie zur Untermauerung der eben dargelegten Thesen. Dass die Worte unseres Herrn Bürgermeister „I mecht da gratulieren!“ wie eine zusätzliche Akklamation und Stimulation wirkten, muss ich nun wahrlich nicht explizit erklären.

Es war die Zeit gekommen, das DJ-Pult einzunehmen. Mehrere Auflagen galt es hierbei zu erfüllen: Erstens solle die dargebrachte Musik nicht gesprächsunterbindend wirken, zweitens soll sie doch einigermaßen Stimmung bringen, drittens die Nachbarn nicht stören und doch eine Identifikation innerhalb der Hörenden (wenn möglich tänzerischer Natur) bewirken.

Dies gelang mir doch, wie ich finde, ganz gut mit einem wohlüberlegten Mix mit Hits aus den letzten drei Jahrzehnten. Danke an Mike D. für die Bereitstellung der Compilation nebst Läppi und Boxen.
Die Zusammenstellung fand ihren Höhepunkt wohl in der Bereitstellung Österreichischer „Lamourhatscher“, wobei sich die dazu drehenden Paare immer mehr in Richtung Klotüre zu bewegen schienen, wie von einer versteckten Gravitation dazu angestachelt.

Etwa um Mitternacht war es soweit: eine Polizeistaffel fand den Weg auf den TP, um nach dem Rechten zu sehen, aufgefordert hierzu von einem für seine Permanent-Anzeigen bekannten Nachbarn. HöC holte mich, der ich vor vier Wochen aus Pflichtbewusstsein dieses Festl durch Veranstaltungsanzeige bei der Marktgemeinde Buchkirchen anmeldete, vom Pult hervor, um mit den Organen der öffentlichen Sicherheit ein Wort die Schallimmisionen betreffend zu wechseln. Es stellte sich alsbald heraus, dass neben diesen Vereinsfunktionären sich einige Unbeteiligte gleichsam aufpfropften, um auf ihre unnachahmliche Weise der Polizeiaktion Sand ins Getriebe zu streuen. Was herauskam, ist durchaus vergleichbar mit der Silvesterfolge bei „Ein echter Wiener geht nicht unter“, wer das noch kennt:

Neben der allgemeinen und in keinster Weise provokant formulierten Rechtfertigung der beiden Mitglieder des engeren Vorstandes fühlte sich der frisch gekürte Vereinsmeister, auf diesen Titel auch noch impertinent hinweisend, berufen, Exculpationen auf die gender-balanced gehaltene Polizeirotte abzulassen. Dies zwar nicht ostentativ rüpelhaft, aber dennoch in mir das innere Bauchgefühl auf den Plan rufende „Pass auf, wost sogst!“ quasi implizit mittragend. Reaktion des Wachkörpers war hier ein schlichtes „Passns auf, dass Ihna heit in nix mehr einitheatern!“. Geil und possenhaft!

Überhaupt erschien das Gespräch mit den beiden Ordnungshütern insofern etwas an Schärfe zu verlieren, als die an Jahren noch nicht allzu sehr fortgeschrittene Polizistin unseren Sektenleiter vom Fortgehen her kannte und dieser im Gegenzug die beiden Gesetzeshüter auf ein Getränk einlud! Verabschiedet wurde die Schwadron mit den Worten:“ Denkts an Krems!!“ Irre und filmreif!
Schließlich beendeten die beiden Schupos ihre Amtshandlung mit der Auflage, bei der nächsten Kontrolle möge es ruhiger sein. Soft law in Reinkultur!

Zurück am DJ-Pult stellte ich fest, dass die Boxen eigentlich nicht wirklich gegen die allgemeinen Gespräche zu bestehen vermochten, was der Auflagenerfüllung irrsinnig half. Einige Stunden später, das Festgelände hatte sich im Wesentlichen geleert, es war drei Uhr früh, also die von der Gemeinde auferlegte Zeit, nach der sich alles nur noch in geschlossenen Räumen abzuspielen hatte, setzte ich auf die ultimative Nostalgie und ließ die Nadel auf Vinyl kreisen. Beatles und Doors beschlossen einen gelungenen Tag im engsten Kreise.

Diese späte Beendigung hindere manche nicht daran, am nächsten Morgen bereits wieder um 9h auf der Anlage zu stehen, um mit den Abbauarbeiten zu beginnen. Auch dies macht ein funktionierendes Kollektiv aus! Der ein oder andere, frisch vom Putztrupp aufgeklaubt, erschien sogar noch mit dem Leiberl vom Vortag und der Krachledernen. Auch dies erscheint in der Nachbetrachtung legitim.
Was bleibt von diesem denkwürdigen Tage? Es war sicher eine Begebenheit, an die man sich noch lange erinnern wird. Solche Anlässe dienen sicher der Ermunterung und Identifikation für den scheinbaren Alltag.
Was doch bei aller Euphorie etwas schade war: nur wenige der einstigen Mannschaftsspieler fanden ihren Weg auf unsere Anlage, einige Ausnahmen, über die man sich natürlich sehr freute, natürlich exkludiert.
Kluge Worte sollen dieses Geschreibsel hier abrunden, anknüpfend an meine Rede, die die Dimensionen Vergangenheit- Gegenwart- Zukunft der Sektion andeutete:

"Eine Generation, die die Geschichte ignoriert, hat keine Vergangenheit - und keine Zukunft." - Robert A. Heinlein, Time Enough For Love, 1973