Geschichten und Gedanken Teil 13


Verschollen im Bermudadreieck-eine vorweihnachtliche Herbergssuche

 


 

Es ist wohl klar, dass unter dieser Ausgabe kein besonderes Glücksmoment geschildert werden wird, gilt doch die Dreizehn als Negativum von alters her. So wird zum Beispiel kein Formel1-Bolide mit dieser Startnummer ausgestattet und kein Haus mit dreizehn Stöcken gebaut.

Kein explizites Glück ist einem Landei insbesondere dann beschieden, wenn es sich einbildet, unbedingt in den „Wasserkopf“ Wien reisen zu müssen. Wider besserem Wissen brach auch der Autor dieses kleinen Reiseberichtes trotz bekennender Buchkirchen-Liebhaberei am nebligen Nachmittag des 12. November 2008 in unsere Bundeshauptstadt auf mit dem unbedingtem Begehren, den Pflegekongress im Austria Center Vienna aufzusuchen.

Arglos, wie ein Landei nun einmal ist, wird natürlich auch versucht, bestehende Kontakte in die Donaumetropole zu nutzen, um den Aufenthalt so angenehm wie möglich (und erlaubt!) zu gestalten. Und welchem Buchkirchner Tennisspieler würde sub titulo „Wien“ nicht unser Trainer P.M. einfallen, mit dem sich einige nette Stunden des kontrollierten Umtrunks gerne einmal verleben lassen. In mancherlei Hinsicht blieb es beim Versuch.

Zunächst rückte ich gleich in das Epizentrum vor (Stephansplatz), um von dort aus bedeutende Orte des Wiener Lebens aufsuchen zu können (vor allem das Havelka, allerdings voll bekleidet). Derart vertrieb ich mir das Warten auf den Trainer, dem ich erst um 23h auf dem Schwedenplatz begenete.
Im Vorfeld war ich bona fide davon ausgegangen, dass ein in Wien Ansässiger wohl einem unterkunftslosen Provinzler eine Schlafstätte in den möglichst eigenen vier Wänden anzubieten in der Lage ist, fahrlässigerweise klärte ich dies im Vorfeld nicht ab.

Und so stärkten wir uns nichts ahnend von den künftigen Ereignissen im Bermuda-Bräu an Chicken Wings und brachen später in den Roten Engel auf, ein Lokal, das ich schon einmal im Jahre 2003 mit Lukas&Lydia aufgesucht hatte.

Bekleidet war ich zu diesem Zeitpunkt im wesentlichen mit einer Levis 501, Doc Martens-Schuhen, einem blauen Hemd sowie einer schwarzen ESPRIT-Daunenjacke (Wertungen von „fescher Bursch“ bis „Markensau“ sind dem Leser erlaubt).

Stutzig werden musste ich erstmals, als mein südafrikanischer Begleiter fragte, wo ich denn die Nacht verbringe und von ihm zu erfahren war, dass dies weder in seiner Wohnung noch in der seiner Freundin möglich sei. Ich hätte auch mit dem Fußboden als Schlafplatz vorlieb genommen, der kategorische Ausschluss verwehrte mir auch diese Option.

Und so zog das ungleiche Duo weiter im Wiener Nachtleben umher, Gedanken an den Schlafplatz und folgende Müdigkeit weit von sich schiebend. Nächstes Ziel der „Midnight Rambler“ war die Kaktus-Bar.
Dort angekommen fiel zunächst gleich eine Amtshandlung der Polizei auf. Der geschulte, argwöhnische und vor allen Dingen nüchterne Beobachter hätte allein aus diesem Umstand schon erkennen müssen, dass man an diesem Ort wenig vom vielbeschworenen „goldenen Wiener Herz“ hält, sondern eher Gestalten der Viertel- bis Halbwelt dort gerne ihr Unwesen treiben könnten.

P.M. wusste vorerst aber die Vorzüge der Bar voll auszunutzen, beäugte vorzugweise blonde Frauen und sprach diese verschiedentlich an, im Autor prävalierten rein getränke-technische Fragen, sodass sich dieser immer mehr in eine angenehme Abwechslung hineintrank, ohne auch nur dem auf der Theke tanzenden GoGo-Girl die gebührende(?) Aufmerksamkeit zu schenken. Hat man eine Freundin 200km weiter westlich, ist meiner Meinung nach schon das allzu auffällige Geifern ungebührlich. Dies nur so nebenbei.

Zurück zur Odyssee: Schließlich war doch der Aufbruch geplant und die am Eingang aufgehängte Jacke sollte gegen den beissenden Novembernebel schützen, allerdings konnte sie diese Aufgabe nicht mehr wahrnehmen, weil sie von irgendeinem –formulieren wir es vorsichtig- die Eigentumsgrenzen nicht hinreichend beachtenden Rechtsunterworfenen, sohin einem Rechtsbeuger, in dessen Besitz überführt worden war. Absichtlich verwende ich des Niveaus wegen nicht solche Worte, wie sie im Gästebuch der Fußballsektion vorkommen.  
 
Somit stand der Autor gleich mit zwei Problemen da, wobei das vordergründigste zunächst sein musste, wie sich zumindest eine Mütze Schlaf herausholen ließ, immerhin war es schon gegen 2h Früh und die Bierbilanz eine zweistellige.

Da kam der Trainer auf die Idee, dass sich in der Nähe ein Hotel befindet und fragte dort gleich nach dem Preis für eine Übernachtung. 159 (in Worten: einhundertneunundfünfzig) war die Antwort des Portiers im Mercure Hotel. Na bumm. P.M. zahlte mit Kreditkarte und meinte hinterher noch: „You don´t owe me anything!“. Ich werde mich gebührend zu revanchieren wissen.

Um 6h Früh erwachte ich mit hämmernder Cephalea, leichtem Vertigo und dem unbedingtem Verlangen, wieder die gleiche ESPRIT-Jacke kaufen zu müssen. Nach Internet-Recherche brach ich mit der U-Bahnlinie 3 sofort in den Gasometer auf, wo ich lediglich eine aufgelassene Filiale des Bekleidungsriesen vorfand. Glücklicherweise erspähte ich in der Nähe des Stephansplatzes eine noch existierende Filiale, in der ich das abhanden gekommene Trumm um 99,95  Euro nachkaufte.

Schwamm drüber,in Zeiten der Finanzkrise hat Geld an sich keinen Wert und bald kommt das Vierzehnte Monatsgehalt in Gestalt einer Weihnachtsremuneration.

Irgendwaunn hob I gnuag ghobt und bin fortgaunga aus dem dreckigen Wien (W.Ambros).Auf der Heimfahrt mit einem rasanten ICE hatte ich konsequenterweise die Textzeile der Beatles in den Gedanken: „Gee, it´s good to be back home!“  (Back in the USSR,1968)