Geschichten und Gedanken Teil Zwölf – Exotische Gedanken



Der Tennissaison 2008 wurde per 24.10. ihr wohlverdienter Winterschlaf verordnet, die Linien wurden mit Akribie mit Sand bedeckt und alles Gut, das nicht niet- und nagelfest war, in den schützenden Unterstand geräumt.

Es ist dies eine Zeit, in der voller Freude auf die jüngsten Erfolge zurückgeblickt werden kann, in der manch einer –ich werde es wagen- aber auch über den Tellerrand hinauszublicken gedenkt und sich trotz der immer früher einsetzenden Dunkelheit und den bis an die inneren Organe kriechenden Herbstnebel  jetzt schon fragt:“Was kommt eigentlich 2009“?

Diese Frage hat insofern zentrale Bedeutung, als die Sektion mit 1.1. in ein Jubeljahr eintritt, in dem das dreißigjährige Bestehen gefeiert werden wird. Ich sehe schon jetzt die Zeit reif für ein Brainstorming, um Ideen zu sammeln, wie wir dieses Jubelfest würdig begehen können. 
Leitmotiv sei dabei eine Aussage des früheren deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, der zur Bekämpfung des Terrorismus der RAF das Motto ausgab, dass auch „exotische Gedanken durchaus erlaubt“ seien. Daher bitte bitte das was jetzt dann kommt nicht auf die Goldwaage legen oder gar auf seine Durchführbarkeit hin überprüfen, sondern als Gedankenanstoß sehen.

Ich bin ja, das soll man ja gleichfalls schon vorausschickend erwähnen, auch durchaus Anhänger (besser: Begründer) der These, dass gesellschaftliche Entwicklung ganz allgemein nur dadurch entstehen kann, dass ein Proponent einen gewagt-radikalen Vorschlag macht, welcher durch die Gesellschaft moderiert und so in erträgliche Bahnen gelenkt wird. Dieses die Avantgarde im Denken reinigende Filtersystem aus These und Antithese ist unerlässlich, wäre ohne dieses der Einzelne vollständig der Laune und Willkür des Meinungsstärkeren ausgesetzt. Dieses System setzt aber die prinzipielle, auf differenzierende und abstrahierende Denkweise beruhende Diskussionsbereitschaft aller am Prozeß beteiligten Personen sowie bestehende Meinungs- und Zensurfreiheit voraus.

Meine These wird insofern unterstützt, als ein früherer –von der Philosophie (zu) stark angehauchter- Kommilitone die Meinung in die Welt gesetzt hat, dass das „Groteske und Absurde das eigentlich Interessante“ sei.

Dankbar erinnere ich in diesem Zusammenhang und unter diesen Vorzeichen auch an eine Aussage von Mario L. vulgo Macho, wonach im Mai der Sommer schon wieder vorbei sei. Falsch wäre es, diese These von vornherein und kategorisch als unhaltbar abzustempeln (ich vermeide  bewußt kräftigere und knalligere Ausdrücke) und in den gedanklichen Orkus zu verbannen. Bedenkt man, dass ab Juni die Tage wieder kürzer werden und der Juli so aussehen kann wie der Juli 2008, wird man, eine differenzierte Denkweise vorausgesetzt, spätestens an nicht mehr so warmen Augustabenden, wenn es „herbstelt“ und das Bier folglich um 22.00h nicht mehr so gut schmeckt, weil einem kalt ist, der These durchaus zumindest wahre Bestandteile abringen können.

Genug des philosophischen Vorgeplänkels. Was könnten wir tun?

Vorschlag eins (ebenfalls von Mario L. einst propagiert): Ausrichtung eines Challengerturniers. Wir holen den früheren deutschen Daviscupper Bernd Karbacher als Zugpferd für das Einzel und Karsten „Die Katze“ Braasch als Headliner für das Doppel. Letzterer erhält als Antrittsgeld eine Stange Marlboro. Ich weiß: ein Spleen

Vorschlag zwei: Wir bewegen Metallica zu einem Privat-Gig auf unserem Platz. Ich darf daran erinnern, dass der Drummer Lars Ulrich als Jugendlicher mit dem Ziel nach Amerika aufbrach, Tennisprofi zu werden. Daraus wurde nichts, wohl aber eine der erfolgreichsten Gruppen in der Rockgeschichte. Er könnte uns wahrhaft ein „vulgar display of power“ zeigen. Ich weiß: unmöglich und das besagte Album ist von Pantera

Genug der Träumerei: Schön wäre es einfach, möglichst viele von den hunderten Mitgliedern der letzten drei Jahrzehnte in schwelgerischen Erzählungen versunken unter der Buchkirchner Fahne und vor einer Fotowand stehen zu sehen, nachdem eine Exhibition eines überregional bekannten Tennis-Asses klaglos über die Bühne gegangen ist.