Geschichten und Gedanken Teil Elf -
Laudatio für den neuen Champion



Wer jetzt dachte, ich sei völlig von der literarischen Bildoberfläche verschwunden oder diesen Zustand gar herbeisehnte, wird mit Verwunderung feststellen, dass immer noch das Streben nach sprachlicher Brillanz und würdiger Aufbereitung tennisplatzrelevanter Phänomene in mir prävaliert.

Zwar gebe ich durchaus reumütig(?) zu, dass ich mich in letzter Zeit eher weniger auf dem Tennisplatz zeigte, was verschiedene Gründe haben mag, dennoch sehe ich jetzt die Zeit gekommen, eine Würdigung des neuen Champs zu proponieren, wenn auch etwas retardiert.

Ich kenne Thomas Ilg wohl seit Beginn der 90er-Jahre und schon damals fiel im Besonderen sein sportlicher Ehrgeiz auf. Mir stark in der Erinnerung haftende Stadien und Schlaglichter der Entwicklung waren:

1.) Tennisspiel mit gebrochenem Fuß und Gips nach einem Unfall
2.) Engagement beim Moto-Cross
3.) Jahrelange Dominanz gegen ihn mit dem Standardergebnis „6:2“
4.) Und dann, an meinem 25. Geburtstag, kamen plötzlich seine Schläge, an denen er mit Akribie gefeilt hatte: der alles zermürbende Vorhand-Topspin, der sich den Weg in die Platzecken bahnte, von dem es kein Entrinnen mehr gab, auch nicht über die beidhändige Rückhand, die desgleichen den Platz öffnete wie eine Konservenbüchse. Ich konnte nach diesem Spiel nur konstatieren: „Jetzt werde ich alt!“

Nichtsdestotrotz  blieb ihm der Weg zum Pokal über lange Jahre versagt. Ich kann mich noch gut an ein Spiel im Viertelfinale gegen Robert J. erinnern, in dem er im dritten Satz haushoch führte, in dem beide Schläger rissen, er noch verlor und monatelang nicht mehr gesehen war.
In diesen Jahren bot der Champ überaus solide Leistungen für die Mannschaften der Union. Highlights waren wohl seine Meistertitel 2005 und 2008. Diese Leistungen rief er häufig nach stundenlangen Fahrten von Kufstein her ab.

Zwei Kuriosa aus all den Jahren will und kann ich dennoch nicht vergessen:

1.) Vor einer Meisterschaftsrunde im Jahr 1998 gegen den ESV Wels musste ich den Partymacher um 10 vor 9 mit Nachdruck herausklingeln. Er war dennoch der Einzigste, der an diesem Tag ein Einzel gewann und nachher verdientermaßen auf der Terrasse unseres Lokalrivalen döste.

2.) Das legendäre Spiel gegen Neukirchen am Sande im Jahre 2002 (9:0), als Hagel aufzog, er mit dem Auto gegen einen Randstein prallte, den Reifen dabei aufschlitzte, den Reifen wechselte, die Tennistasche in der Sauwaldgegend vergaß, noch einmal hinauf- und hinunterrudern musste, feststellte, dass er  keinen Hausschlüssel hatte und bei ihm zuhause somit einzubrechen gezwungen war .

Ich wünsche ihm „alles Liebe, alles Gute“ für die berufliche und sportliche Zukunft, die ihn möglicherweise wieder ins teils frankophone Nordamerika (Canada) führen wird.