Geschichten und Gedanken Teil 6 – „Gehen wir…“


Zugegeben schreibe ich heute nicht über mein Lieblingsthema, ständig und omnipräsent auf diesem Thema herumzureiten im wahrsten Sinne des Wortes erscheint mir über weitere Strecken „unwürdig, unwert“.

Dennoch kann nicht verhehlt werden, dass dieses Thema gerade am Tennisplatz oft zur Sprache kommt (und wie man hört: nicht nur zur Sprache) und deshalb möchte ich mich der Massengeilheit ausnahmsweise beugen und mit Martin Walser, dem noch sehr jugendlich-spritzigen Achtzigjährigen, auffahren, um zu beweisen, dass man dieses Thema literarisch sehr gut verpacken kann, ohne das es „tiaf“ wird.

Aus dem Roman „Angstblüte“ aus 2006: Der Münchener Anlagenberater Karl von Kahn spielt gerne mit seinem Spezi Lambert alias Diego Tennis und lernt seine Frau am Tennisplatz kennen:

Sie ging ja auch, als er sie zum ersten Mal wahrnahm, als Siegerin vom Platz! Sie hatte mehr gegeben, als sie hatte. Das sah man. Ein rot verschwitztes Gesicht unter den kein bisschen zerzausten blonden Haaren. Auch ihr Gesicht war kein bisschen deformiert von der Anstrengung. Wahrscheinlich weil die alles beherrschenden, glanzvoll ausschwingenden Wimpern von Anstrengung nichts wusste.

Er sah so, dass sie auf dem Weg zur Dusche und in die Garderobe dich an ihm vorbei musste. Er sah sie an. Sein Mund ging auf. Wie willenlos. Es kam ihm offenbar darauf an. Ihr zu demonstrieren, dass er sie jetzt anschaute, als gehe sie als Königin des Augenblicks im bunten Scheinwerferlicht langsam eine sehr bequeme Treppe herab, um sich einem nach Tausenden zählenden Publikum gnädigst zu nähern und sich dabei mit jedem Schritt noch unverschämter zu öffnen; bei jedem Schritt ein bisschen einknickend und so lächeln, als wisse sie genau, wie unwiderstehlich sie sei, und das finde sie ganz lustig. So etwa hat er Ihre Wirkung auf ihn dargeboten. Beabsichtigt hatte er das nicht. Gespielt hatte er nichts. Er hatte sich nur nicht gewehrt. Er hatte sich einfach gehen lassen, wie es sonst nicht seine Art war. Und sie hätte blind sein müssen, wenn sie das nicht gesehen hätte. Als sie geduscht und angezogen zurückkam, sagt er so, dass es rundum gehört werden konnte: Können Sie mich auch einmal so besiegen?

Uns sie: Ich spiele nicht gern gegen Männer.

Und er: Fünfzehn zu null.

Und sie: Sagen wir deuce.

Und er: Gehen wir.

 

 

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!