Unendlicher Spaß

 

Nach meinen vorjährigen Ausführungen über „Mein Jahr in der Niemandsbucht“ ist durch einen wohlgemeinten Literaturtipp ein Buch in meine nähere Betrachtung gerückt, welches sowohl vom schieren Umfang, als auch von der Themenvielfalt, der Sprachmächtigkeit, der treffsicheren Gesellschaftskritik, der scharfen Analyse und  Humor her, ein wahrhaft undurchdringliches Meisterwerk der Gegenwartsliteratur darstellt.

Gemeint ist das Buch „Unendlicher Spaß“ (Infinite Jest) des amerikanischen Autors David Foster Wallace, welcher es in jungen Jahren selbst bis auf Nummer 17 der US-Rangliste brachte und in diesem Buch vom reichen Erfahrungsschatz bei sportlichen Events ausgiebig zehrt.

Aber nicht nur dem Tennissport verschreibt sich der Autor in diesem Buch, sondern die oben geschilderte Themenvielfalt treibt die bisher schrägsten mir aus literarischen Werken bekannten Blüten.

Das Buch, am Ende der Neunzigerjahre geschrieben, will zuvorderst ein Zukunftsroman sein. Er beschreibt die Zeit um 2020, wo Unterhaltungselektronik aus dem Teleputer dominiert, permanent Patronen in diesen eingeschoben werden, ein neuer Superstaat O.N.A.N. aus den ehemaligen Staaten USA, Kanada und Mexiko entstanden ist, Müllentsorgung mehr oder minder automatisch im ehemaligen Grenzgebiet von USA und CDN durchgeführt wird und Drogen- und Alkoholsucht bis zum Exzess betrieben wird.

Auf die einzelnen Aspekte der erwähnten Themen einzugehen, würde den Rahmen dieser Ausführungen vollends sprengen, zu komplex, dicht und facettenreich ist das geschilderte Geschehen.

Als tennisrelevantes Highlight der Ausführungen bringt der Geschichten- und Gedankenschreiber jenen Abschnitt, der sämtlichen Aufschlagübenden mehr als bekannt vorkommen wird, denn ich glaube jeder im Club kriegte schon einmal den Ratschlag. „Stell Dir einen Kübel rein und üb einmal eine Stunde!“

 

Bei David Foster Wallace klingt dies so:

„Hier sieht man, wie man später siegt. Das hier ist ein Ball-Hopper aus gelbem Drahtgeflecht voll schmutziggrüner alter toter Bälle. Damit geht man auf die East Courts, wenn die Morgendämmerung noch kreidig und sonst niemand auf ist bis auf die Morgentauben, die bei Sonnenaufgang die Kiefern heimsuchen, und die Luft so taugetränkt, dass man den eigenen Sommeratem sehen kann. Man schlägt Aufschläge ins Nichts. Man legt auf der anderen Seite am Fuß des Zaunes einen Haufen Bälle bereit, während sich über dem Hafen die Sonne hochhievt und die Aufschläge zu kabummen anfangen. Man stellt das Denken ein, lässt es fließen und macht kabumm, kabumm. Das Schmettern des Balles auf den gegenüberliegenden Zaun. Man schlägt tausend Aufschläge ins Nichts…“

In diesem Sinne: Unendlichen Spaß beim Lesen und Üben!